Verein für Heimatkunde Alsweiler

Ein Haus, das für ein Zeitalter steht

Illustriertes Magazin zum Hiwwelhaus-Jubiläum

 

Es geht nicht nur um ein Haus, es geht um ein ganzes Zeitalter. Das neue Magazin zum Jubiläum des Hiwwelhauses beleuchtet die Epoche vor 300 Jahren, als Alsweiler ein Dorf von etwa 90 Einwohnern war und nur aus 16 Familien bestand. Viele Häuser waren durch die voraufgegangenen Kriege schwer beschädigt, auch Seuchen und Hungersnöte hatten den Menschen schwerstens zugesetzt. Mit farbigen historischen Karten und anderen Darstellungen, die aus Archiven und Museen in Koblenz, Saarbrücken und Nancy stammen, wird diese Epoche im neuen Magazin über das Hiwwelhaus anschaulich in Erinnerung gerufen.

Eine der Attraktionen dieses Magazins, das vom Verein für Heimatkunde Alsweiler gemeinsam mit dem Hiwwelhaus-Verein herausgegeben wurde, ist die Rekonstruktion einer Familiengeschichte, die der Architekt Bernd Brill mit Schattenrissen einer bäuerlichen Sippschaft illustriert hat. Es ist eine Reise ins Jahr 1773, als im Hiwwelhaus die 13-köpfige Familie Laub mit Eltern, sechs Kindern, Großeltern, Tante, Knecht und Magd lebte. Andere Beiträge behandeln die Baugeschichte des historischen Gebäudes, das als eines der ältesten Bauernhäuser im Saarland gilt und nach dem Urteil von Experten als einziges in dieser Originalität und Qualität erhalten ist.

Neben der Geschichte liegt der Schwerpunkt des Magazins auf der heutigen Nutzung des Hiwwelhauses als dörfliches Kulturzentrum. Bernadette Dewes und Wolfgang Trost beleuchten in einem reich bebilderten Beitrag die Veranstaltungen, die in den vergangenen Jahren regelmäßig stattfanden, von Ausstellungen, Vorträgen und Lesungen bis hin zu Konzerten und Kabarettabenden, die allesamt eine starke Resonanz fanden.

Das Heft mit dem Titel „300 Jahre Hiwwelhaus – Unsere Tür in die Geschichte“ wird herausgegeben von den beiden Kulturvereinen, die gemeinsam das im Besitz der Gemeinde Marpingen befindliche Gebäude betreuen. Der Hiwwelhaus-Verein ist verantwortlich für die Organisation der Kulturveranstaltungen, während der Verein für Heimatkunde Alsweiler für den historischen Teil zuständig ist. Die anspruchsvolle graphische Gestaltung besorgte der Alsweiler Buchgestalter und Verleger Thomas Störmer, der Mitglied im Verein für Heimatkunde ist. Ihm danken die Vereinsvorstände ebenso wie der Kreissparkasse St. Wendel und der St. Wendeler Volksbank sowie der Gemeinde Marpingen und dem Landrat von St. Wendel, die dem Projekt ihre finanzielle Unterstützung zugesagt haben.

Das Magazin wurde jüngst bei einer Feierstunde im Hiwwelhaus vorgestellt und ist weiterhin erhältlich im Laden von We + We eigenart in der Tholeyer Straße oder bei Bernadette Dewes vom Hiwwelhaus-Verein und Wolfgang Simon vom Heimatkunde-Verein (06853-3106, wue.simon@t-online.de). Für Einwohner Alsweilers oder des Schaumberger und St. Wendeler Landes ist es ein ideales Frühlingsgeschenk zu den verschiedensten Anlässen.

Hexenzauber im Hiwwelhaus

Am nächsten Sonntag wird in Alsweiler die Ausstellung von Günter Altenkirch über Volks- und Aberglauben in der Saarregion eröffnet

Wenn früher in der Saar-Region ein neues Haus gebaut wurde, dann mauerte man an bestimmten Stellen ein paar Schuhe oder ein Tier, zum Beispiel eine Katze, eine Kröte oder ein Huhn, mit ein. Dieses so genannte Bauopfer geht auf ein uraltes gallisch-germanisches Brauchtum zurück, das heutzutage fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. Es diente nach dem überlieferten Volksglauben dazu, böse Geister von dem Haus und der dort lebenden Familie fernzuhalten.

Solche Bauopfer und zahlreiche weitere Exponate aus der Welt der Mythen und Mysterien kann man demnächst in einer spektakulären Ausstellung im historischen Hiwwelhaus in Alsweiler besichtigen. Zusammengetragen hat sie der bekannteste Volkskunde-Experte im deutschen Südwesten, Gunter Altenkirch aus Rubenheim im Bliesgau. Mit einem Einführungsvortrag eröffnet er am kommenden Sonntag, dem 22. April 2012 um 16:00 Uhr im Hiwwelhaus in Alsweiler eine Ausstellung mit dem Titel „Hexenzauber – Volks- und Aberglaube in der Saar-Region“. Sie ist bis zum 1. Juli jeweils sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Gunter Altenkirch wird dabei regelmäßig zu einzelnen Aspekten interessante Erläuterungen geben. In der „Hexennacht“ des 30. April berichtet er zum Beispiel um 19:00 Uhr in einer Sonderveranstaltung über die überlieferten Bräuche um den 1. Mai.

In der Ausstellung zeigt Gunter Altenkirch unter anderem eine Auswahl seiner einmaligen Sammlung von Amuletten, denen man eine mythische Abwehrkraft zuschrieb, sowie von Talismanen, die als Glücksbringer galten. Zu sehen sind ferner Zauberzettel, Münzen, Kreuze, Drudenfüße oder Hufeisen, die früher in bestimmter Weise an bestimmten Stellen im Haus angebracht wurden. Einen besonderen Schwerpunkt stellt neben den Bauopfern die Überlieferung dar, die mit dem so genannten Haaschd verbunden ist, dem großen Rauchfang, den es früher in allen Bauernhäusern in der Küche gab und der im Hiwwelhaus in Alsweiler noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. Auch hier wappnete man sich gegen das befürchtete Eindringen böser Geister, indem man an bestimmten Tagen verschiedene Weiheriten vollzog.

Die meisten dieser Bräuche gehen auf vorchristliche Zeiten zurück, schreibt Gunter Altenkirch in einer Publikation mit dem Titel „Unsere Tür in die Geschichte“, die der Hiwwelhaus-Verein und der Verein für Heimatkunde Alsweiler jüngst herausgegeben haben. „Da in vergangenen Zeiten das Alltagsleben absolut verbunden war mit religiösen Vorstellungen und dem Volksglauben, war der Küchenraum auch die Bühne bäuerlicher Riten, Ängste und Vorstellungen, die hier ihren Ursprung hatten, aber auch ihre Verarbeitung erfuhren.“ Der Autor schöpft bei seinen Erläuterungen aus seiner einzigartigen Sammlung von tausenden zeitgeschichtlicher Befragungen, die er in den vergangenen Jahrzehnten in der Saar-Region und in den angrenzenden Gebieten durchgeführt hat und die im ganzen rund 30.000 Seiten umfassen.

Altenkirch betreibt in Rubenheim im Bliesgau ein Museum für dörfliche Alltagskultur, das jeden dritten Sonntag im Monat von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet ist und das als einmalige Einrichtung im ganzen deutschen Südwesten gilt. Im Museumsshop sind auch die zahlreichen Veröffentlichungen des Autors vorrätig, die zum Teil auch bei der Ausstellung in Alsweiler erworben werden können. Die Ausstellung „Hexenzauber“ fügt sich ein in eine Serie von insgesamt acht Veranstaltungen, mit denen der Hiwwelhaus-Verein und der Verein für Heimatkunde Alsweiler in diesem Jahr den 300. Jahrestag des Wiederaufbaus des Hiwwelhauses begehen.